Lyrikband Überarbeitet
Poetische Momente – (A uszüge )
Inhaltsverzeichnis
1 . Alltag :
- Der Schlaf
- Alltag
- Das Dachfenster
- Das Pfennigstück
- Der A utomat
- Der Fotoapparat
- Der Füllfederhalter
- E - Mail
- Kaffeetraum
- Lebensstraße
- Autobahn
- Schminke
- Mein Tagebuch
- Meine Katze
2 . Glücksmomente :
- Blaues Glück
- Erinnerung
- Freundschaft
- Glück
- Musik
3 . Im Meeresrauschen :
- Am Meer
- Am Strand
Gedichte aus St . Peter - Ording
- Abendsonne
- Am Meer
- Arche Noah
- Böhler Leuchtturm
- Dünentherme
- Ebbe
- Flut
- In den Salzwiesen
- Kaltes Meeresrauschen
1
Lyrikband Überarbeitet :
- Marschland
- Meeresbrandung
- Meeressonne
- Meeresstaub
- Meersommertag
- Meine Muschel
- Sandsturm
- St . Peter - Ording
- Strandcafe
- Strandkorb
- Sturmflut
4 . Im Schattenlicht des Lebens
- Im Schattenlicht
4 . 1 . ICH
- Ich - A uf dem Weg zu mir selbst
- Mein A dler
- Ein guter Tag
- heimat
- lebensmut
- Lebensweg
- Ich will
4 . 2 . Melancholie
- Meine rote Rose
- Melancholie
- Nichtigkeit
- Schwarze Rosen
- Stille Trauer
- Tagebuch : Ein Gedicht .
- Totes Leben
- Vergangene Liebe
4 . 3 . Psychologische Gedichte und Gedankenläufe
- Das alte Zimmer
- Das kleine Mädchen
- Im Nichts
- Kindheit
- leben
- Nachtgedanken
- Wanderer
- Nachtwanderer
- Wunden der Vergangenheit
2
- Wut
4 . 4 . Gedichte
- Am Kamin
- Mein aufgesetztes Lächeln
- Therapie
- Weil ich dich liebte
- Begegnung
- Schattenspiele
- Sinn des Lebens
- Das erwachsenwerdende Kind
- Realität
- Ja und Nein
- Blau
- Das Intensivzimmer
- ich erkenne mich nicht wieder
- Der Flügel
- Hoffnung
- Glückstaler
- Ich liebe dich
- Lebensdurst
- Schwäbische A lb
5 . Liebeszauber
- Liebeszauber
- Liebesglück
- Farben der Liebe
- Gehende Liebe
- Liebe ist ...
- LIEBE
- Min herze
- Stadt der Liebe – Paris
6 . Naturlyrik
- Wasser des Lebens
- Wasserquell
- Morgenskizze
6 . 5 . Frühling
- Jenseits des Gartens
- Mandelblüte
- Mondblüte
- Stadtbalkon
6 . 6 . Sommer
3
- Duftende Stille
- Julihitze
- Mondnacht
- Sommer
- Sommerblau
- Sommergewitter
- Sommertag
- Spätsommermorgen
6 . 7 . Herbst
- Herbsttage
- Herbstzeit
- Nachtdämmerung
- Nebelhang
- Oktober
- Oktobermorgen
- November
- Sonntags in der Stadt
- Vergangener Herbst
6 . 8 . Winter
- dezemberschnee
- Kerzenschein
- Wintertraum
7 . Ausgewählte Reiseimpressionen
- Bahnhofsimpressionen
- Die Postkarte
- Paris – Eiffelturm
- Paris – Place des Vosges
- Paris – Versailles
- Die Pfalz
- Rangierbahnhof
- Traweng
8 . Zum Nachdenken
- Das Eismeer
- Schulregeln
- Soldatenleben
- Tagebuch
- Zwei Schwestern : Ungewissheit und Gewissheit
- Besinnlichkeit
4
- Weihnachtsnotizbuch
- Jahresende
- Seelenpinsel
- Mein Leben
9 . Zum Gedenken an den 11. September 2001
- Inferno
- New York
- Fernsehen
- Schock
- Terror
- Opfer
- Weltschmerz
- Krieg
- Herbstsonne
5
1 . Alltag
Der Schlaf
Müde grinst der Schlaf
Fliegt mit dem Wind
Über die Träume hinweg .
Leise kauert er
In den Ritzen des Tages
Und wartet
In seinem flüchtigen Schatten
Auf die Stimme
Der Nacht .
Neustadt an der Weinstraße , 20. September 2001
. ..
E - Mail
Der Computer fährt hoch
Ich logge mich ein
Ein paar Mausklicke
Im Bildschirm flimmert der Lichtschein .
Passwort und A ccount
Und der Posteingang ist da ,
Voll Spannung sehe ich ,
Ich habe Post , ganz klar !
Ein Klick später
Und die E - Mail baut sich auf
Doch leider ist´s nur Werbung ,
Ist vielleicht sonst noch was drauf ?
Also klick ich weiter
Und schrecke plötzlich zurück
Der Computer hängt sich auf
Heut´ hab ich wohl kein Glück !
Ein neuer Versuch ,
Nach 10 Minuten ist´s soweit ,
Ich bin wieder drin
Und grinse erst mal breit .
Da war doch ne Mail :
„Wie wär´s mit Kino heut´ ?
6
Ich kenn nen super Film ,
Hat noch keiner gescheut ! “
Soll ich nun anrufen
Oder doch lieber mailen ?
Na , die neue Technik ,
Die wird´s schon klären !
Ich tippe also fleißig
Auf Keyboard und Rechner los ,
Klicke auf „Versenden“
Und warte mal wieder bloß .
„System überlastet ,
Versuchen Sie es später mal“ ,
Blinkt es toll wild drauf los
Und mein Gesicht wird ganz fahl .
Jetzt reicht´s !
Die Faust knallt laut .
Schöne neue Technik –
Wer nur solche Sachen braucht ?
Neustadt an der Weinstraße , 7. September 2001
Kaffeetraum
Lieblichsüßduftend
Zartcremiges A roma
Aus frischgemahlenen Bohnen
Ich genieße jeden Schluck
Harmonie
Lebensstraße
Zwischen Halmen und Blütenkelchen
Zwischen Gras und Stoppeln
Zwischen Schotter und A sphalt
Zwischen Bäumen und Büschen
Zwischen Schranken und Brücken
Zwischen A utobahn und Landstraße
Zwischen Flüssen und Seen
Zwischen Bergen und Meer
Zwischen Himmel und Erde
Zwischen Sommer und Winter
Zwischen Hoffnung und Enttäuschung
Zwischen Lachen und Weinen
Zwischen Leben und Tod
7
Auf dem Weg in die Ewigkeit .
Zugfahrt , Juli 2001
Autobahn
Raser
drängeln drückend dröhnend .
Wirbelnde Stahlkarossen
Stöhnen wild im Stau ,
Metallklirrend
Heulend hupend .
Sprühende Straßen
Vom Regen genässt
Prasselt
Auf den A utoscheiben
Auf dem Weg zum Meer
Tiefhängende Wolken
Grüne Wiesen
Gelber Raps
Hügellandschaften .
Windräder
Tunnelröhren
Trügerischer Baustellensumpf
Und
Heißschlürfender Kaffeeduft .
Schminke
Getünchtes Gesicht
Mit Farbklecksen
Auf der Haut .
Mein Tagebuch
Du Buch der Tage ,
trägst Seiten der Freude ,
fängst Lichtblicke des Lebens :
Liebe , Freude , Momente des Glücks , des Sonnenscheins .
Die Seiten der Trauer
fallen wie die zergehenden Blätter im Herbst dahin .
Schwermut umgreift die Seele
und spült die Freuden fort .
Wochen , Monate , Jahre vergehen .
8
Und eingraviert in dich
sind die Momentaufnahmen eines Lebens ,
gemeißelt in das Buch der Zeit .
Zugfahrt von Heidelberg nach Neustadt
1 4. November 2002
Meine Katze
Schnurrend
Mit leuchtend gelben A ugen
Samtweißen Pfoten
Weißbraunschwarz geschecktem Fell
Wippendem Schwanz
Liegt sie
freudig genießend
und
schläft friedlich
eingerollt
Auf meinem Schoß .
Räkelt sich
zufrieden
Und
Glücklich
In die wunderbare Welt hinein .
2 . Glücksmomente
Blaues Glück
Blaues Glück
Tropft
Aus meinem Herzen .
Rinnt
In blauen Strömen
Herab .
Über dem
Azurblauen Strom des Lebens
Atmet blauer Dunst
Mein Leben in sich ein
Und
Tränkt
Die Kammer meines Herzens
Mit Quellen
Von tiefstem Blau .
Glück
Ein Hand voll Hoffnung
Im Irrwald
Des Lebens .
Musik
Zartschmelzend
Schwebende Klänge
Sprache ohne Worte
Ein Rinnsal voller Töne
Harmonie
Kraftvoll
Perlende A kkorde
Verharren im Raum
Zwischen dir und mir
Leidenschaft
Brennend
Entfachtes Feuer
Tanz der Begierde
Ich spüre deinen A tem
Liebe
Zauberhaft
Entzückende Schönheit
Mein Leben versinkt
In deinem wundervollen Bann
Musik .
3 . Im Meeresrauschen
Gedichte aus St . Peter - Ording
Abendsonne
Meeresglutröte .
Züngelnde Flammen ,
über die Leinwand
des feuerroten Horizonts gemalt .
Wellen rauschen im
Spiegellicht
an den weißen , einsamen Strand .
Leises Möwengeschrei
versinkt
im gleichmäßigen A n - und A bschwellen
der Seebrandung .
Vögel baden sich ,
tauchen ein
in die stille A benddämmerung .
Atme die Freiheit tief in mich ein ,
die im frischen Meeresduft
vorüberfließt .
Böhler Leuchtturm
Sitze allein
am Fuß des Leuchtturms .
Ein einsamer Wächter
in der klaren Sommernacht .
Dicke Wolken
ziehen im frischen Meereswind
dahin .
In die Nachtdämmerung
leuchten
fern die Gestade
der Strandaufbauten .
Am Horizont
schwärzt die Nacht
den wundervollen A bend .
Hänge allein
meinen Gedanken
nach .
Atme tief
die erfrischende Seeluft
in mich ein
und weine
allein
und leise vor
Glück .
St . Peter - Ording , am Böhler Leuchtturm
Dünentherme
Hinter Glasscheiben
tropische Wärme .
Der Wind tanzt
durch das Seegras
zwischen den Dünen .
Wolken ziehen vorüber .
In der Ferne
schimmern die Gestade
der Strandaufbauten
durch die Halme .
Möwenschwärme
treiben durch das Marschland .
Stimmen und Geschrei hallen nach .
Draußen ergießt sich ein stiller
Sonnenuntergang
über das Meer .
Wellen rauschen in der Brandung .
Tropfen perlen über die Haut .
Das Meerwasser klebt
Und schmeckt nach Salz .
Ich genieße es .
Ebbe
Watt
Leere Priele
Meerestiere am Spülsaum
Laues Meeresplätschern ans Ufer
Stille
Flut
Sattgetränktes Himmelblau .
Warmbeschuhte Sonnenstrahlen .
Umspülte Muschelbänke .
Füße gleiten weich
über den nassen Rillenboden .
Schmale Priele füllen sich .
Gischtberge brechen
über den weißen Sand .
Am Spülsaum tanzen
kleine Vögel durch die Wellen .
Strandsegler sausen leise
über die lange Sandbank .
Lautes Meeresrauschen .
Das Meer rückt immer näher .
Könnte mich ewig daran satt sehen .
Eine Prise voll Sandstaub
huscht , im Wind glitzernd ,
über die Flutwellen
und versickert still
im Meeresboden .
Kaltes Meeresrauschen
Es ist still
in der kalten Nacht
auf dem hölzernen Steg ,
der hinüber
in die Dunkelheit
zum Strand
führt .
In der Weite des Horizonts
spiegeln sich
ferne Lichter
auf dem flimmernden Wasser .
Leicht plätschern
die von der Flut gefüllten Priele
in der A bgeschiedenheit des Lichts .
Eine gruselig - mythische Welt ,
die faszinierend ihre Fühler ausstreckt
um Gewöhnliches zu brechen .
Die Tiere sind mit dem Tag zu Bett gegangen ,
besänftigend wiegen
die säuselnden Wellen
in den Schlaf .
Träume erwachen .
Die Nacht lebt .
Marschland
Der Wind bläst hart
über die einsame Marschlandschaft .
Wiegt schweigend
die Gräser und Flocken
des Strandwehrmuts
in seinem A tem .
Möwen
kreisen in seiner Strömung ,
lassen sich tragen ,
hochfliegen
und stürzen zurück gen Boden ,
federn sich ab
erbeuten einen Wurm
im seichten Salzwasser .
Die letzten Strahlen
der abendlichen Sonne
glitzern funkelnd
auf den ins Meer
fließenden Prielen .
Tiefe Furchen
In der kargen Küstensteppe .
Schlammig feuchte Reste
des auslaufenden Meerwassers
13
zeichnen
sanfte Narben
in das flache Grasland .
Bald wird die Flut zurückkehren
Und der Ebene mit ihrem satttränkenden Wasser
neues Leben einhauchen .
St . Peter - Ording , 2 . Oktober 1998
Meeresbrandung
Weißschäumender Sommertag .
Gurgelnd .
Zischend .
Blubbernd .
Sprudelnd .
Rauschende Gischt .
Samtweich glitzern die Wellenkämme
über das sonnenfunkelnde Wasser .
Eine Brise voll nassem Meeresstaub
umspült meine Füße .
Am Ufersaum
hüpft die Sonne
an den Strand
und tanzt mit dem Meer
voll unbeschwerter Leichtigkeit
neckisch
freiheitstrunken
in den anbrechenden A bend
hinein .
Meeressonne
Fliederrosa
Untergehender Sonnenball
Im Meer versinkend
Farbbesprühte Wolkenfetzen am Horizont
Nachtdämmerung .
Meeresstaub
Sanft rollen
die weißen Kämme
der Wellen
auf das Ufer zu
und branden zischend
auf den samtweichen Sand .
14
Die Sonne glitzert
über die bewegte Silhouette
des Meeres .
Die weißschäumende Brandung
sprudelt
gurgelt .
Ruhig hüpfen die Bojen
über die Wellen .
Sitze hier
und warte
auf die näherkommende Flut .
Begleitet von einem stetigen
an - und abschwellenden Rauschen ,
schäumender Gischt ,
blubbernden Blasen
und einer Brise
voll nach Seetang
schmeckendem Meeresstaub .
Meersommertag
Weite Ebbe .
Glitzernde Sonne .
Leere Priele .
Spuren im Sand .
Muscheln .
Warme Sommerbrise .
Menschenmassen .
Über den Strand verstreut .
Bunte Zelte .
Spielen Boule oder Ball .
Bauen Sandburgen .
Baden in der Sonne oder im Meer .
Am Himmel Drachen .
Im Duft von Seetang
Möwenlachen .
In der Meeresluft flirren Menschenstimmen .
Kindergeschrei .
Lautsprecherfetzen .
Leise plätschert das Meer ans Ufer .
Surfer ziehen elegant ihre Bahnen .
Segler .
Motorboote .
Muschelsammler .
Warmer Regenschauer .
Mit großen nassen Tropfen .
Erfrischend .
15
Am Meer wird es ruhig .
Der A bend bricht an .
Dann ist es Nacht geworden .
Meine Muschel
Steckst im Sand .
An einem Meersommertag .
Eine unter vielen .
Mit Sandkörnern bedeckt .
Weißrund .
Mit braunen Tupfern .
Bestaune deine Schönheit .
Muschelsammler
laufen vorüber .
Entdecken dich
nicht .
Für sie
bist du
nicht wichtig .
Bald wird dich
die Flut
umspülen .
Und du gehst
zurück
ins Meer .
Ich nehme
dich
mit .
Damit deine Erinnerung
auch meine
wird .
Sandsturm
Der Wind peitscht über den Strand .
Sandkörner wirbeln
durch die schneidende Luft ,
klatschen ins Gesicht ,
krabbeln unter die Kleider .
Bizarre Sandverwehungen
treiben zwischen den weißen Strandkörben
hindurch und
verwischen still die Fußstapfen .
Möwen stürzen sich
gegen den Wind in die Höhe .
16
Segeln wieder herab .
Schütteln ihr schwarzes Haupt aus .
Meterhohe Wellen
rollen über den Ufersaum .
Die weißschäumende Gischt
entflieht .
Ringelt sich und
tanzt befreit im Rhythmus
des berauschenden Sandsturms .
St . Peter - Ording
Sandstrandunendlichkeit .
Strammer Wind .
Gezeitenströme im Wattenmeer .
Ich schmecke das Salz .
Lächeln .
Strandcafé
Meeresblickend .
Erfrischender Kaffeeduft .
Auf hölzernen Stelzen .
Ich genieße die Ruhe .
Sommerstrandtag .
Strandkorb
Sonnenruhe
Geborgene Meeressicht
Wechselnd weiße Wolkenschatten
Windrütteln über blauem Horizont
Wellenglanz
Sturmflut
Brodelnd .
Kochend .
Bricht das Meer
an Land .
Der Sturm raubt den A tem ,
peitscht die hohen Wellentürme
ans Ufer ,
überrollt die Sandbank gnadenlos .
Die zischend schäumende Gischt
17
überschwemmt bedrohlich den Strand .
Reißt Treibgut , Tang und Muscheln mit sich .
Ein aufgewühltes , losgelassenes Element .
Wild .
Unzähmbar .
Nicht bezwingbar .
Frei .
Himmel und Erde verschmelzen
im gleißenden Licht
und versinken stumm
im A bgrund
des tiefschwarzen Horizonts .
4 . Im Schattenlicht des Lebens
Im Schattenlicht
Zwielichte Dämmerung .
Gehauchte Erinnerungen
über mein mattes Ich
fließend .
Neblige Schatten
In der trüben Einsamkeit
Umherschleichend .
Meine Kammer des Herzens
Ohne Schlüssel
Fest verschlossen
Im Schattenlicht des Lebens .
4 . 1 . ICH
Ich – A uf dem Weg zu mir selbst
bin in mich versunken
eingetaucht
in den strom des lebens
wiedergeboren
im fluss der zeit
neugeformt
in meinem bilde
erwacht
von der stimme
meines
ICHs
gehe ich
18
den weg
MEINES lebens .
Melanmonie
Entzückende Jubelschreie
Tränensturzbäche voll Trauer
Himmelhochjauchzend
Zu Tode betrübt
Glühendheiße Saharasommerwüste
Klirrendweiße Himalayawinterberge
Sonnenwonne
Regentrübsal
Wie ein A dler über den Wolken schwebend
Wie ein gebrochener Gefangener im tiefsten Kerkerloch
Freiheitstrinkend
Eingekettet
Wie auf roten Rosen gebettet
Wie in einem schwarzen Tulpengrab bestattet
Liebestollend
Todessehnsüchtig
Wie ein warmer Sonnenuntergang im Meeresrauschen
Wie ein eiskalter Nebelhauch in finsterer Nacht
Freudig genießend
Abgrundtief leidend
Mein Ich
zwischen
Harmonie
Melancholie
Zerrissen .
Mein A dler
Fliege mit dir über die Felsklüften hinweg .
Atme den lieblichen Duft der Freiheit .
Am Horizont gießt die A bendsonne
Ihr rotes Feuer ins Meer .
Bilder wirbeln durch meine Seele .
Träume .
Fantasiere .
Reise .
In mich .
Auf deinen breiten Flügelschwingen
19
Ruht mein Ich .
Auf dem Weg zu mir selbst :
Wärme .
Vertrauen .
Harmonie .
Liebe .
Ein guter Tag
Ein guter Tag
Ist ein guter Tag .
Ist ein schlechter Tag
ein schlechter Tag ?
Ein schlechter Tag
ist ein guter Tag ,
weil ein guter Tag
auch ein schlechter Tag
sein kann .
heimat
sicher .
geborgen .
im hafen meiner seele .
draußen
tobt
die sturmflut des lebens .
die schäumende gischt
zischt
bäumt sich brodelnd auf
schlägt bedrohlich gegen die mauern .
meine heimat
verwahrt
unversehrt
ein fleck land
ein stück glück
ein teil leben
in mir
selbst .
lebensmut
ich ertrinke
im strudel des lebens .
mein leben bricht
über mir zusammen
20
und versinkt bodenlos
in den stromquellen .
ich halte mich fest
an nichts
stürze
taumle
falle umher
den sturzbächen
hilflos
ausgeliefert .
finde halt
an einem winzigen strohhalm .
finde
eine hand
voll
mut
zum leben
jeden tag
neu .
Lebensweg
Gedanken
purzeln
durch die Kammer meines Herzens .
Bahnen sich ihren Weg
auf der Straße des Lebens .
Auf ihren starken Schultern
ist mein Ich gepackt .
Auf dem Weg zurück
in die Heimat der Seele
durch das tiefe Tal der Tränen ,
spiegelt sich im Teich
zwischen Traum und Wirklichkeit
mein Leben .
Ich will
Ich will lachen .
Ich will weinen .
Ich will fröhlich sein .
Ich will trauern .
Ich will mich freuen .
Ich will mich ärgern .
Ich will schlafen .
Ich will wach sein .
Ich will arbeiten .
Ich will ruhen .
Ich will fühlen .
21
Ich will denken .
Ich will lieben .
Ich will hassen .
Ich will leben .
Ich will sterben .
Ich will ICH sein !
4 . 2 . Melancholie
Meine rote Rose
Meine rote Rose
sitzt weinend
am Ufer des Sees .
Verharrt allein im Haschen des Windes .
Die Schatten der Vergangenheit
versickern wortlos .
Meine rote Rose –
in der schwarzen Nacht verblüht .
Ihr Spiegelbild –
ergraut , gealtert .
Ihr in Traurigkeit gemeißeltes Lächeln –
verblichen .
Meine rote Rose –
streift ihr Kleid ab ,
taucht ein in den See .
Aus jeder Träne tropft die Einsamkeit .
Sie wird farblos , leichenblass .
Ihr Lebensduft verglüht .
Meine rote Rose –
haltlos auf den Wellen der Erinnerung
dahingetrieben .
Sinkt in der A benddämmerung ,
beladen mit der Last des Lebens
erschöpft , lebensmüde auf den Grund herab .
Meine tote Rose –
Zu schwarzem Staub zerronnen ,
begraben
in einem Sarg
mit Brettern und Nägeln
aus Nichtigkeit .
Auf ihrem Grab
wird
im nächsten
22
Frühling
eine rote Rose
knospen .
Vergangene Liebe
Mein Herz
Ist hart wie Stein
Geworden ...
So kalt und traurig
Ohne dich ...
Ich weiß nicht mehr ,
ob ich liebe .
Ich weiß nicht mehr ,
ob ich DICH liebe ...
Dich jemals geliebt
Habe ?
Es ist so lange her .
Ich kann mich nicht mehr
Erinnern .
Ich weiß nur ,
dass diese Liebe
an mir vorüber gegangen ist .
Und ich konnte nichts tun ,
als nur zuschauen
bis sie am Horizont
Verschwunden
War ...
Neustadt , 26. September 2001
4 . 3 . Psychologische Gedichte und Gedankenläufe
Das kleine Mädchen
Still
sitzt sie
am verlassenen Bahnsteig .
In die Einsamkeit
des A bends hinein ,
fließt ihr trauriger Blick
ins Leere .
Neben ihr –
Ein kleiner brauner Koffer ,
gepackt
mit Erinnerungsbruchstücken
eines vergangenen Lebens .
23
Verschlossen
mit dem Schlüssel
zu ihrem Herzen .
Tränen kullern herab .
Strömen heraus
aus der Tiefe ihres Herzens .
Versickern .
Sie dürstet .
Sehnt sich nach Liebe .
Vertrocknet innerlich .
Der Zug fährt ein .
Stumm wischt sie ihre Tränen fort .
Türen schlagen .
Sie steht auf .
Klettert die Stufen hinauf .
Ein Pfiff und die Türen
schlagen zu .
Draußen
Verwischt ihr altes Leben .
Die Vergangenheit vergeht .
Bleibt zurück .
Am Ziel wartet
Die unbekannte Zukunft .
Nachtgedanken
Kreisen .
Reisen .
Schlagen .
Tragen
schlaflos
in die Einsamkeit der Nacht hinein .
Plagen schaurig .
Fragen traurig .
Schäumen träumend
wo das Leben
keine Krallen hat .
Ohne Erinnerung ,
ohne Schmerz .
Jenseits der Nacht .
Im Nirgendwo .
Im Schattenlicht der Dämmerung
sitzen meine Nachtgedanken
auf einer Bank
in der schützenden Dunkelheit
24
des duftenden Parks
und betrachten
stumm
wie hinter Glaswänden kauernd
das Leben
der anderen .
Ein Sein ohne Sinn .
Sinn ohne Sein .
Sinnen -
los .
Sein -
los .
Lebens -
los .
4 . 4 . Gedichte
Am Kamin
Leise knistert das Feuer .
Gelbweiße Flammen
züngeln
über die braunen Holzscheite
im tänzelnden Rhythmus
der wärmenden Glut .
Funken sprühen
über die weiße A sche
wie eine ruhende Stadt
im Schnee .
Still erlischt die Glut .
Erleuchtet erneut
von einem frischen Luftzug .
Qualmt .
Verglüht wieder
in Vergänglichkeit .
Begegnung
Am stillen Kamin
Entzündet ein Feuer .
Ein Leben
zieht vorüber .
Poesie und Kunst
mischen sich
25
zu einem nachklingenden Werk .
Kunst ohne A bsicht .
In dünnen Strichen
dahingezaubert .
Ein König im Unterwasserreich .
Russische Musiker .
Urlaub in Griechenland .
Ein Leuchtturm als Schmetterling .
Jerusalem .
Pinguine .
Klavierkonzert .
Figuren aus 1001 Nacht .
Die drei Könige .
Zauberwelten
erwachen
aus einem tiefen Schlaf .
Genuss .
Schattenspiele
Wenn die schwarzen Schatten
der hohen Nadelbäume
verstohlen über die Wiese huschen
und leise lauschend länger werden ,
Wenn sie sich strecken
und riesengroß räkeln
und verspielt in die A bgeschiedenheit des Tages
hineintanzen ,
Wenn die Schelmenschatten schemenhaft
wie mystische Geisterwesen
im zwielichten Dämmerlicht
mürrisch blickend vorüberziehen ,
Wenn die hernieder wirbelnde Wintersonne
friedlich fröhlich fliegend
über den grasgrünen Rasen
herüber hüpft ,
Dann fällt ein kleines glühendes Glück
vom weißblauen Himmel herunter
und schüttelt sein weiß wiegend wehendes Haupt
in die ruhende Stille
aus .
Ja und Nein
26
Wenn ich Ja sage ,
muss ich auch Nein sagen
können .
Sonst ist mein Nein ,
kein Nein .
Wenn ich Nein sage ,
meine ich dann wirklich Nein ?
Oder meine ich nicht
vielleicht
auch
manchmal
ein Ja ?
Nein .
Nein ?
Ja .
Grenzüberfließend .
Ich bleibe dabei :
Mein Nein bedeutet Nein
und
mein Ja bedeutet Ja !
Ja ?
Ja .
Nein ?
Nein .
So sei es .
Ja und Nein - alles klar ?
Ja ?
Nein !
Blau
Tropft herab
In das endlose
Farbenspiel des Meeres
Tiefversunken träumend
Der Flügel
Der Flügel
im Raum
Beflügelnde Klänge
Schweben herüber
Im Tanz der Rhythmen und Harmonien
Hebt er an
Zur Musik
Hoffnung
27
Im Irrwald des Lebens
Ein langer Weg
von A ussichtslosigkeit
Und dennoch
Kleine Knospen
Erblühen zu Leben .
Eine Blüte voll Hoffnung
Lugt am Wegesrand hervor
Und erstrahlt in ihrer ganzen A nmut .
Glückstaler
Glühende Funken
Strahlen voll Gold
Im Tal ( er ) des Glücks
Ich
Lebensdurst
Spaß
Am Leben
Die Zukunft tanzt
Im Schattenlicht des Waldes
Sonnenstrahlen kichern im leisen Frühlingsrauschen .
Lebenslust
Kommt wieder
Versinkt im Frühling
Jeden Tag wieder neue
Freude am Leben getrunken
Bin glücklich und zufrieden erwacht .
Schwäbische A lb
Saftgrüne Wiesen
Sonnenstrahlen im Gegenlicht
Stumm und leise
Weite Felder
Am Horizont ergießt sich
Die Sonne über
Den Wipfeln der Bäume
In lauer , warmer Frühlingsluft
5 . Liebeszauber
28
Liebeszauber
In deinem Bann
verzaubert .
Entrückt .
Liebestrunken .
Deine Liebe tränkt mich satt ,
könnte einen Ozean
austrinken .
Du märchenhafter Prinz ,
küss mich wach .
Möchte sanft in deinen A rmen
gehalten werden .
Du bist
tief verschmolzen
in meinem brennenden Herzen .
Die Glut funkelt leise
am farbbesprühten Horizont ,
glüht wie eine
Note in den überfließenden Klängen
unseres Liebesliedes .
Über uns
schwebt die Freiheit
wie ein freifliegender Vogel
am blauen Himmel
fort .
F A RBEN der Liebe
ROT wie die Rosen ,
die die Träume begießen ,
so weit wie die duftenden Flüsse
ins Land der Liebenden fließen .
BL A U wie das Wasser ,
das im weißen Strand versinkt .
Fern tasten kleine Boote ,
wie das Lied der Liebe über den Wellen verklingt .
WEIß wie der Sand ,
den das weite Meer umspült ,
hindurch zwischen Tag und Nacht ,
wo die endlose Zeit das Leben der Liebe fühlt .
Neustadt an der Weinstraße , 6. September 2001
29
Stadt der Liebe - Paris
Liebe –
Im Schatten der Großstadt
Zwischen A sphalt und Beton ,
Wo die Zeit
Ihre Krallen tief vergraben hat .
Liebe –
Unter Brücken
Träumt das Leid ,
Hinter Mauern
Von Leben und Gerechtigkeit .
Liebe –
Zwischen Hektik und Streben
Im Getümmel des A lltags
Da standest plötzlich du ,
Nur einen A ugenblick entfernt .
Liebe –
Der Moment verrinnt ,
Die Schritte klappern
Dein Blick zerstreut
In der Masse wie Wind .
Liebe –
Die Zeit tickt weiter ,
Ihr Gang hallt in den Straßen nach .
Und niemand morgen mehr weiß ,
Wo die Liebe vergraben ist .
Neustadt an der Weinstraße , 6. September 2001
6 . Naturlyrik
Wasser des Lebens
Ich möchte eintauchen
In einen Teich voller Glück ,
Mitten im Regen schwerelos badend ,
Den A tem der Tropfen auf der Haut spüren .
Ich möchte schwimmen
In einem See voller Liebe ,
Sanft das Streicheln der Sonne schmeckend ,
Ihre wärmenden Strahlen im Knirschen der Grashalme hören .
Ich möchte treiben
30
In einem Meer voller Freude ,
Das Salz der Tränen auf den Lippen riechend ,
Frei über die Weite der Sehnsucht wandeln .
Ich möchte springen
In eine Welt voller Frieden ,
Wie die Tautropfen das Leben speisen ,
So find auch ich zu den Quellen zurück .
Neustadt / Weinstraße , 14. Juli 2001
6 .1. Frühling
Jenseits des Gartens
Ein zerbrechlicher Blütenduft
im süßen Frühlingswind
schmeckt den anbrechenden Tag
vorüberziehen .
Und
perlt in einem frischen
Orangenblütenduft ,
von einem roten Rosenstaub
umwickelt ,
lachend
in einen pulsierenden Fluss
voller blauschimmernder Klänge
hinein .
Mandelblüte
Rosaweiß
Zarte Knospen
In voller Blütenpracht
Ich atme lieblichsüßen Duft
Frühlingsharmonie
Stadtbalkon
Frühlingssonne
Über den braunen Giebeln .
Verkehrslärm .
Vorbeifahrende A utos .
Räder zischen .
Auf der Baustelle
Ein Bohren , Hämmern , Quietschen , Klopfen .
31
Bauschutt wird abgeladen .
Dazwischen entzücktes Kinderlachen .
Wärmende Sonnenstrahlen .
Drehende Schatten .
Kahle Baumstümpfe .
Flugzeuge dröhnen
Am blauen Himmel .
Ein Linienbusmotor heult auf .
Autohupen .
Vogelzwitschern .
Ein Moment Stille .
Die Seele atmet
Mit geschlossenen A ugen
Leise in sich hinein .
Auf der Haut zerschmilzt
Eine sanfte Brise von
Frühlingsduft .
6 .2. Sommer
Duftende Stille
Mein Leben tropft
in die duftende Stille
des türkisblauen Himmels
hinein .
Badet sich im berauschenden Knistern
des glutroten Sonnenlichts .
Blumengerüche
zerschmelzen auf der Haut .
Harmonie erblüht
überall .
Versprüht ,
in die raschelnde Sommerbrise zerstäubt ,
den Duft der Stille .
Ein funkelnder Sonnenstrahl
verklingt leise im Nachhall
des anbrechenden A bends .
Und bepinselt meine Seele
Mit still duftenden Glück .
Julihitze
Heißschmelzend
Drückende Blauschwüle
Tropft von meiner Haut
Alles verzehrt sich
32
Hochsommerfeuer
Sommer
Fröhlich .
Duftende Blumen
Auf saftiger Wiese .
Ich sehe die Wolken
Spazieren gehen .
Heidelberg , Dezember 2002
Arbeitsaufgabe zur Musik von B . Britten , Simple Symphony : Playful Pizzicato
Sommerblau
Ein blauer Sommerregen
Hat in mich hineingeflüstert
Hat den Sommer in mich gewebt
Aus einem blauen Tuch voll Glückseligkeit .
Sommerregen
Rieselt über meine Haut wie Perlen
Fließt in mein Herz
Taucht in mich ein .
Ich bade
in einem Meer
aus Sommerblau .
Sommergewitter
Schwarzgelbe Wolken türmen sich bedrohlich .
Über der Stadt
krachen ohrenbetäubend
Blitz und Donner
vom blauschwarzen Himmel .
Warmer Sommerregen
tropft auf meine Haut .
Sein Rauschen
durchnässt meine Seele .
Frischer Regenhauch
beträufelt sanft den A bend .
Reinigend .
Beruhigend .
Eine klare Sommernacht beginnt .
Sommertag
33
Tiefblauer Himmel
Schmeckt am Morgen
Schon den Sommer .
Das Farbenmeer
Der Blumen
Speist den werdenden Tag .
Der laue Wind
Tränkt am Mittag die Hitze
Und spiegelt
Sich im Tanz der Sonnenstrahlen .
Schmetterlinge kreisen ,
reisen im Summen der Bienen
über die Gräser .
Leise huscht die Sehnsucht
Über die wandernden Schatten
Und labt sich
An den Kostbarkeiten
Des Sommers .
Zugfahrt von Heidelberg nach Neustadt an der Weinstraße
1 .A ugust 2001
Spätsommermorgen
Ein dunstiger Septembermorgen
tränkt das Himmelblau
des werdenden Tages .
Leises Sonnenlicht
hüpft zufrieden
über die braunen Dächer der erwachenden Stadt ,
fröhlich und zufrieden lächelnd .
Von wildem Wein umkränzt –
ein Platz an der Sonne ,
stolz zwischen den Häuserfassaden thronend .
Im Gegenlicht der Sonne
zischt die Feuerglut
durch das feine Gerippe der grünen Weinblätter .
Und lässt sie
in ihrer vollen A nmut ,
in ihrem edlen , rotgrüngesprenkeltem A ntlitz ,
in ihrer erhabensten Schönheit erstrahlen .
Eine frische Brise
zupft an den dünnen Weinranken ,
spielerisch ,
neckisch .
34
Erfüllt von tiefstem Glück
fließen die sich drehenden schwarzen Schatten
still und leise
ins Leben
zurück .
6 .3. Herbst
Nachtdämmerung
Reife Weinberge
In voller Blüte des Herbstes stehend .
Ein säuerlicher Mostgeruch
legt sich
wie eine stille Dunstglocke ,
verschmolzen mit süßem Blütenduft
leise
über der herannahenden Nachtdämmerung
schlafen .
Oktobermorgen
Weißer Morgendunst
über den saftig - grünen Weinbergen
zwischen bewaldeten Hügeln .
Funkelnde Lichtspiele
durchfluten die leuchtenden A dern
der bunten Weinblätter .
Warme Sonnenstrahlen
ergießen sich über die tiefgrüne Rheinebene .
Ich liege im duftenden Gras ,
unter einem Mandelbaum ,
zwischen grünleuchtenden Halmen ,
deren Häupter frei im Herbstwind schaukeln .
Im Summen der Insekten ,
unter türkisblau flüsterndem Himmel ,
erwacht
die Welt um mich
zum Leben .
Traktoren
pflügen
leise surrend
durch die in voller Pracht stehenden Weinbergzeilen .
Erntehelfer schwärmen aus .
Bringen reichen Ertrag .
35
Das Parfüm des Herbstes
umhüllt sanft
die unberührte , zerbrechliche Silhouette
des gelbrotgrünen Herbstkleides .
Süßer Blütenduft ,
in vergorenem Most
geschmolzen ,
über die Stille der Weinberge ,
in die Ruhe
eines anbrechenden
Oktobermorgens
hineingesprüht .
In den Weinbergen von Neustadt an der Weinstraße
November
Wie einsame Tränen der Regen verrinnt ,
Erschauert die Seele des trauernden Kind .
Vorbei ist das Lächeln , die Freude , der Scherz ,
Im weinenden Docht brennt das schmerzende Herz .
Zugfahrt von Neustadt nach Heidelberg , 14. November 2002
Sonntags in der Stadt
Im Park
Kastanienbäume
im Herbstfeuer .
Matte Sonne
zwischen bläulichweißen Wolkenschleiern .
Fallende bunte Blätter
tanzen
im kühlen Wind
mit den sich drehenden Herbstschatten .
Kinder spielen friedlich
in die Ruhe des Nachmittags hinein .
Fußballspiel im Stadion .
Jubelnde Fangesänge
erschallen
über den Dächern
der Stadt .
Und verhallen wieder
im raschelnden Rauschen der Bäume .
Herbststille
legt sich ,
mit einem Nebelschleier sanft bedeckt ,
36
über der herbstgeschmückten Stadt
schlafen .
6 .4. Winter
dezemberschnee
ein einsamer morgen bricht an .
fahl und grau .
herniederschwebende flocken tanzen
graziös
wundervoll
fantasieerweckendschön
pirouetten
in der eiskalten luft .
gedankenleere schwirrt durch den raum .
leise musik verhallt
über den schneebedeckten dächern
der grauen stadt ,
schneeversunken träumend .
dezemberschneealltag .
7 . Ausgewählte Reiseimpressionen
Bahnhofsimpressionen
Alte Stahlgerüste
zu Torbogen geformt
Leuchtende Reklameschilder
Einfahrende Züge
Quietschende Bremsen
Verspätung
Lautsprecherfetzen .
Menschenmassen
mit Gepäck
Randvolle Bahnsteige
Hektik
Kindergeschrei .
Transparent lugt der A bend
durch die Glasfenster
schwebt beruhigend
über den Köpfen
der Hektik
37
hinweg .
Stehcafes
duften noch
nach frischem Kaffee
und knackigen Croissants .
Menschen strömen
die Rolltreppe
zum Bahnsteig
hinunter .
Der ICE fährt ein
Zeit zum Gehen
Zeit zum Einsteigen
Leise setzt sich der Zug
in Bewegung
Fünf Stunden bis nach Hause .
Hamburg , 2. März 2001
Die Postkarte
Hallo und viele Grüße
Mir geht´s gut
Essen ok , schönes Wetter
Erhole mich , habe viel Spaß
Bis bald
Tschüss und auf Wiedersehen
In der alten Welt
Da hängst du nun –
eine unter vielen ,
an meinem Schrank
und bewahrst einen Moment
Glückseligkeit ,
in dem die Welt
noch in Ordnung war .
Konservierst die Erinnerungen
der Vergangenheit
Aus deinem bunten Gesicht
Lacht die Freude
Der Ewigkeit .
Neustadt , 19. September 2003
Paris - Eiffelturm
Ausblick und Einblick
38
Auf eine zauberhafte Stadt
Ein Bann von weißer Magie
Die Silhouette
Faszinierend
Märchenhaft
Traumhaft schön
Ewigwährend .
Füße , Beine , Getrampel
ein ständiges Kommen und Gehen .
Ein ständiges begieriges A nschauen
aber kein Verstehen
kein Wahrnehmen
kein Begreifen .
Unmündige Kinder ohne Verständnis .
Hektik .
Treppen rauf
Treppen runter
Schwere Tritte auf eisernem Metall
Ruhe .
Ein Moment A temstille .
Wie in Zeitlupe zerrinnt die Zeit .
Vielleicht ein paar Sekunden ,
ein paar Minuten .
Die Dämmerung bricht an .
Drehende Schatten im A bendlicht .
Der Zauber der Nacht
Wird real .
Eine andere , phantastische ,
phantasievolle Welt ,
ein Märchen aus 1001 Nacht .
Das bunte Treiben
auf der anderen Seite der Zeit
wuselt wild am Fuße des Turms .
Eine verborgene A nsicht ,
eine unentdeckte ,
stets neu geformte Welt .
Eiffelturm , Paris , 22. Juli 1998
Paris - Place des Vosges
Im Hintergrund
leise Jazzmusik
der Platz gesäumt
von Baumalleen
und adligen Residenzen .
39
In der Mitte des Platzes
entspringt ein Brunnen
dessen Wasser
sich in der A usgeglichenheit der A rkaden
widerspiegelt .
Bänke
die zum Verweilen
aufrufen
deren Seele
über die Zeit erzählen
und über ihre Menschenbilder .
Familien und Liebespaare
Witwen und Vereinsamte
streichen
durch sein Gesicht
um ihre Identität
zu suchen
zu festigen
oder wiederzufinden .
Gedankenmalend
Zu nachdenklich fragenden Jazzmelodien
und
klassischen
gesungenen
poetischen
Liebesgedichten .
In der Stadt der Liebe .
Paris , Oktober 1999
Paris - Versailles
Stille und A usgeglichenheit
Quellen frischen Wassers
Zeit ist unwichtig
sie vermischt sich
mit der unendlichen Vielfalt der Natur .
Die Einheit der Schöpfung
zeigt sich in seiner ganzen A nmut
ihrer vollendeten Schönheit
der perfekten , symmetrischen Gesamtheit .
Der buntgeschmückte , weitläufige Garten
des majestätischen Grand Trianon
spiegelt sich
40
im glitzernden Funkeln
des königlich thronenden Kanals .
Der Wind streicht
geheimnisvoll flüsternd
durch die Kronen der Bäume ,
erzählt
von fernen Geschichten ,
von der Vergangenheit der Gegenwart .
Versailles , Paris , 25. Juli 1998
Die Pfalz
Duftende Weinberge
im bunten Herbst .
Muffige Kelter ,
mit neuem Wein ,
in milchig trüber Würze .
Warmherzige Fröhlichkeit
zwischen sandsteinbesprenkelten , verschlafenen Weindörfern .
Mitten in einem tiefgrünen Rebenmeer
sonnengereifte Trauben ,
an üppig gewachsenen Weinstöcken .
Und überall :
Friedliche Glückseligkeit .
8 . Zum Nachdenken
Das Eismeer
Die einzelnen Eissplitter
scheinen noch
durch die eisig - schneidende Polarluft
zu schweben ,
in kleinsten A tomwölkchen
hernieder zu sinken
auf die messerscharfen Eiskanten
des zerbrochenen Lebens .
Es ist ,
als wenn man
die tastenden Finger
in die Rillen legen könnte
um bitterlich
die schmerzenden Stiche
des zerstörten ,
ausgelöschten
41
Lebenslichts
zu spüren .
Doch Hoffnung
ist nicht
sinnlos .
Versteckt
ragt
ein kleines Guckloch
zum Himmel
über
dem tötenden Eismeer
heraus ,
spendet ewige Ruhe
und Frieden .
Gedanken zum gleichnamigen Bild
von Caspar David Friedrich aus dem Jahr 1823
Kunsthalle Hamburg , 2001
Besinnlichkeit
Duftende Gewürze , Plätzchen , Lebkuchen , Glühwein , Lichterketten und Tannenzweige in den Gärten .
Kerzen an den Fenstern , Kerzen in den Häusern
Und überall : Besinnlichkeit .
Sonderangebote , Geschenke kaufen ,
Krawatten , Kleider , Bücher , CDs , Schmuck , Spielsachen
In vier Etagen . Menschenmassen an den Kassen .
Und überall : Besinnlichkeit .
Ruhige Musik erzählt von Liebe
Von Harmonie und Glück
In Radio , TV und Shopping Malls .
Und überall : Besinnlichkeit .
Vor den Geschäften , nicht weit entfernt
Und doch getrennt :
Frierende Bettler , Obdachlose , zu arm für ein Mahl .
Und überall : Besinnlichkeit .
Am Bahnsteig schläft ein alter Mann
In verwaschenen Jeans , mit A lkohol betäubt .
Sieht und spürt nichts mehr von Kälte und von der ganzen Welt ,
In der überall die Besinnlichkeit entfleucht .
42
Heidelberg , November 2002
Weihnachtsnotizbuch
November .
Lebkuchen .
Weiß - schoko lackiert .
Duftend .
Gewürze locken .
Genuss verführend .
Alle Jahre wieder .
Advent .
Kerze brennt .
Erster Schnee .
Im November .
Radio .
Last christmas .
Alle Jahre wieder .
Dezember .
Schnee getaut .
Kalter Nieselregen .
Nikolaus .
Adventskalender .
Gefüllte Stiefel .
Silberne Tannenzweige .
Kerzenschein im Dunkeln .
Plätzchen .
Schokolade .
Weihnachtsmarkt .
Dampfender Glühwein .
Alle Jahre wieder .
Weihnachtsfeiern .
Weihnachtskonzerte .
Weihnachtslieder .
Weihnachtschöre .
Weihnachtsorchester .
Weihnachtsmusik . Überall .
Es weihnachtet in weihnachtlicher Besinnlichkeit .
Alle Jahre wieder .
Oh Tannenbaum .
Geschmückt .
Herausgeputzt .
Festlich .
Alle Jahre wieder .
Tropfende Glückseligkeit .
Im Namen Gottes .
43
Heiligabend .
Bescherungsseligkeit .
Geschenkeregen .
Fest der Liebe .
Familienzusammenführung .
Alle Jahre wieder .
Erster Weihnachtsfeiertag .
Weihnachtsansprache .
Des Bundespräsidenten .
Weihnachtsfilme .
Traurig schön .
Besinnlichkeitswehrmut .
Alle Jahre wieder .
Zweiter Weihnachtsfeiertag .
Kalter Nebel .
Alkoholmelancholie .
Langeweilemüdigkeit .
Weihnachtsfilme .
Schaurig schön .
Alle Jahre wieder .
2 7.12.
Weihnachtskater ausschlafen .
Geschenke umtauschen .
Das Fest der Liebe
War wundervoll .
Alle Jahre wieder .
Auch nächstes Jahr .
9 . Zum Gedenken an den 11. September 2001
Inferno
Flugzeuge stürzen gelenkt
Explodieren in Sekunden
Kein Entrinnen , keine Flucht .
Todesfalle .
Flammen
Rauch
Die Türme fallen ,
Vergraben die Stadt
Mit tötendem Schutt .
New York -
Ausnahmezustand .
44
Neustadt an der Weinstraße , 14. September 2001
New York
Edler Glanz und Macht –
Zerflossen , zerbrochen , zersplittert
In einer Stunde
Das Leben verhaucht
Die Stadt zerstört
Nur noch Trümmer
Mahnende Betonstümpfe
Schutt und A sche .
Neustadt an der Weinstraße , 14. September 2001
Opfer
Unschuldig tot .
Ohne Gesicht
Im Massengrab verstreut .
Das Recht auf Leben
Im Tod beraubt .
Neustadt an der Weinstraße , 14. September 2001
© Daniela Amendy - Alle Rechte vorbehalten.
Stand - 18.07.2009
Webmaster : FRiTZNet.. webDesign 2009
45