Daniela Amendy


 Gedichte

     

    Abendstimmung

    Still sitze ich in dem bastfarbenen Sessel. Es ist ein lauer Sommerabend hier auf der Terrasse. Die Sterne und der Mond stehen schon hell am Himmel. Meine Augen sind geschlossen, ich lausche in die Dunkelheit der Nacht hinein. In das sanfte Sprudeln des kleinen Baches, dringt leise Musik an mein Ohr. Süße Klänge flimmern weich über das endlose Firmament meiner Gedanken und malen in ihrem flüchtigen Schweif ein farbensprühendes Feuerwerk auf dem tiefen, unaufhaltsamen Strom meiner Erinnerungen. Bilderflut um Bilderflut zuckt wild über die transparente Leinwand meines Gedankenkinos bis sie plötzlich in einem verworrenen See voller unbestimmbarer Gefühle münden. Freude mischt sich mit Trauer, Liebe mit Hass, Ergriffenheit mit Sehnsucht, Hoffnung mit Wehmut, Illusion mit Realität bis Träume den See fluten und ihn in die unendlichen Weiten des Sinnes fortführen.

    Allmählich verklingt die himmlische Musik in meinem Innern über den sanften Wellen des Sees und kräuselt sein vergehendes Wasser wie ein zarter Windhauch in der Dämmerung. Über dem See der Gefühle und Erinnerungen ist Ruhe eingekehrt.

    Ich öffne meine Augen. Durchtränkt und tropfend vom Sinnesbad der Musik blicke ich ehrfürchtig zum Sternenhimmel auf und lächle.

    Daniela Amendy

    Herbst 2002