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anidia_pink.gif Reiseberichte. Zu meinen  anidia_pink.gifReiseberichten und   anidia_pink.gifKurzgeschichten

 

 

anidia_pink_1.gif Reise : Reisebericht Kiel        

anidia_pink.gif Geschichte: Kurzgeschichte Königin Zenobia

St.Peter Ording SandsturmReiseberichte von Daniela Amendy.

Bild von Daniela Amendy:
St.Peter Ording im Sandsturm..

Hamburg – Reiseerinnerungen

Hamburg, 28.2.2001: Hamburg-Altona
Stolze alte Häuser säumen still den Wegesrand, an denen der Bus sich mühsam vorbeiwindet. Verborgen liegen sie unter Dreck, Schutt, Graffitti und ausländischen Schriftzügen, zusammen mit Obst- und Gemüseläden vermitteln sie ein südländisches Flair. Orient in Deutschland.

Die Vielfalt der Sprachen, ihr verwirrendes Klangbild mischt sich mit dunkelhaarigen Menschen und ihrem Teint. Skurrile Typen mit Sonnenbrille und Prollo-Anorak eines Markenherstellers. Zigarettenkippen in Mund und Gosse. Derbe Worte. Harter Tonfall.

Leute, die keine Dorftrottel mögen. Durchdringende Blicke, primitive Anmache.  - Touristen willkommen!

Hamburg, 28.2.2001: Hafenrundfahrt
Der Wind reibt sich das Gesicht im kalten Luftzug, zermahlt den feinen Meeresstaub auf der Haut. Furchteinflößend durchziehen die alles überragenden Werftkräne den Hafen wie lange spitze Finger und spiegeln sich im zarten Gegenlicht der Mittagssonne in der Elbe.

Hamburg, 1.3.2001: Blankenese
Einsame Treppen winden sich durch den kahlen Wald hinunter zum Strand, an dem die Möwen über die schwarzen Steine huschen, um sich kurz darauf wieder am Wasser aufgereiht aneinanderzukauern, dem Klang des Schnees und der Elbe lauschend. Alte edle Villenhäuser in allen erdenklichen verschiedenen Formen und Farben türmen sich leicht den Hang hinauf, als wenn sie sich eng zusammendrängeln würden um gemeinsam die dahinziehenden Schiffe zu betrachten, die sanft über die Wellen gleiten und im Schneenebel wieder leise verschwinden wie sie gekommen sind.

Op´n Bulln liegt ruhig auf der schaukelnden Landungsbrücke, schwankt im Rhythmus der Wellen zum Takt des Tidenhubs und der Wasserverdrängung der Schiffe. Verschwommen spiegeln sich die alten Häuser in der Elbe. Das Wasser scheint fast mit dem Schneehimmel am Horizont zu verschmelzen. Sanft ruht der Winter an der See.

Hamburg, 2.3.2001: Kunsthalle, Treppenhaus
Heimlich unter dem Schnee keimt schon der zukünftige Frühling – Tröste dich, alterndes Haupt: Jeglicher Tod ist nur Schein.“

Ruhend thronen die edlen Ölgemälde an den mit Gold verkleideten und marmorverzierten Säulenwänden im Treppenhaus der Hamburger Kunsthalle. Zeitlos schweben die Gedanken dahin, geben sich den Träumen von Helden und Künstlern hin.

Matt schimmert das stille künstliche Licht über die Goldränder des Gewölbes und seiner Rundbögen, taucht die prunkvolle Halle in ein geheimnisvolles Tagdunkel.

Stimmen, klackende Schuhgeräusche, Lachen, Flüstern mischen sich zu einer Einheit, zu einem undurchdringlichen Klang mit der säuselnden Stimme der vergangenen Zeiten.

Schattenfetzen huschen über den Marmorfliesboden, dessen verblassende schwarz-weiß-getäfelte Quadratsteine irgendwo in die Unendlichkeit münden, in der Unsterblichkeit der Zeit. Ein ewiger Ort des Verweilens, der Ideen, Wünsche, Träume und Hoffnungen verstorbener Menschen konserviert und für spätere Generationen aufbewahrt hat. Jedes Bild verwahrt eine lebende Momentaufnahme, hat sie in Öl visualisiert und festgehalten. Gepaart mit einem Ausspruch der Weisheit wird das Kunstwerk vollendet veredelt. Und trägt so die Gedanken weiter in ein anderes Zeitalter, in der die Menschen die gleichen Gefühle besitzen, nur in der die Menschen ihre Welt verstellen, in der die ursprünglichen Wahrheiten und Gefühle gar nicht mehr so intensiv wahrgenommen werden.

Liebe, Haß, Unschuld, Lust, Trauer, Verlust, Tod. Bilder sprechen mehr als alle Worte der Welt zusammengenommen. Bilder überdauern die wechselnden Zeiten, sind universell. Ihre Sprache kann man fühlen, man kann in ihr atmen. In ihr verlieren sich die Gedanken, verliert sich selbst die Zeit.

Es ist kalt geworden in der Stille der Zeit. Zeit für einen Kaffee.

Hamburg, 2.3.2001: Kunsthalle, Caspar David Friedrich
Wanderer über dem Nebelmeer (1818)

Der Blick des Wanderers schweift über den nebelverschwommenen Horizont hinaus in die Ferne. Die Sicht auf dem Berg hat sich aufgeklärt, weiße Wolken begrüßen den Wanderer, der keine Mühe für diese Sicht gescheut hat. Er kommt von der Erde, von der Vergangenheit, die im Nebel liegt, sie ist vergessen, unwichtig. Der ewig suchende Wanderer schaut auf sein eigenes Leben zurück und kann zufrieden den Abstieg wagen, mit Weisheit gesättigt. - Momentaufnahme der Erkenntnis.

Das Eismeer (1823)
Die einzelnen Eissplitter scheinen noch durch die eisig-schneidende Polarluft zu schweben, in kleinsten Atomwölkchen herniederzusinken auf die messerscharfen Eiskanten des zerbrochenen Lebens. Es ist, als wenn man die tastenden Finger in die Rillen legen könnte um bitterlich die schmerzenden Stiche des zerstörten, ausgelöschten Lebenslichts zu spüren.

Doch Hoffnung ist nicht sinnlos. Versteckt ragt ein kleines Guckloch zum Himmel über dem tötenden Eismeer heraus, spendet ewige Ruhe und Frieden.

Hamburg, 2.3.2001: Restaurant Alsterblick
Die Schneewolken liegen grau in grau über Hamburg, hüllen die Alster in ein tristes Kleid. Müde kriechen die Scheinwerfer der Autos an den blattleeren Alsterarkaden vorbei, schlängeln sich dicht über die Alsterbrücke. Ausflugsboote mit blassroten Dächern scheinen am Ufer gestrandet, scheinen wie die frierenden Möwen und die traurig den Kopf hängenden Fahnen auf den fernen Sommer zu warten. Die Welt an der Alster schläft, nur die Namen lassen das südländische Flair erahnen. „Latte macchiato“ hoch über der Alster, wo das Fenster den Besucher vor der Kälte abschirmt, ihn in der Traumwelt vom warmen Süden gern entläßt, ihn einwickelt hinter gläsernen Scheiben.

Auf der Kennedy-Brücke zieht ein ICE dahin. Selbst ihn scheint die Sehnsucht nach der Ferne zu quälen. Die Abendstunden und der Abschied rücken mit jeder Minute näher. Der Horizont verschwimmt mit der Wasserlinie der Alster. Zeit aufzubrechen.

Hamburg, 2.3.2001: Hauptbahnhof, Bahnhofsimpressionen
Alte Stahlgerüste, zu Torbogen geformt, empfangen die Reisenden. Leuchtende Reklameschilder preisen daran ihre Waren. Einfahrende Züge, quietschende Bremsen. Verspätung. Lautsprecherfetzen. Davonziehende Züge.
Menschenmassen mit Gepäck, randvolle Bahnsteige, Hektik, Kindergeschrei.

Transparent lugt der Abend durch die Glasfenster, schwebt beruhigend über den Köpfen der Hektik hinweg. Stehcafes duften noch nach frischgemahlenem Kaffee und knackigen Croissants, mischen sich mit Stimmengewirr und Kälte. Menschen strömen die Rolltreppe zum Bahnsteig hinunter. Es ist Verreisezeit.

Der ICE fährt ein. Zeit zum Gehen, Zeit zum Einsteigen. Leise setzt sich der Zug in Bewegung. 5 Stunden bis nach Hause.

 Daniela Amendy

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Stand -  20.07.2009
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